Felix Bischofberger erreicht das beste Wahlresultat im Wahlkreis Rorschach.
(Felix Bischofberger, Elmar Hürlimann, Stefan Meier, v.l.)

Erfreut und enttäuscht
«Phantastisch.» Michael Haas, Präsident der FDP, freut sich über den Gewinn eines dritten Sitzes in der Pfalz. Felix Bischofberger, CVP-Präsident, ist enttäuscht über den Verlust eines Sitzes.

REGION RORSCHACH. Die Würfel sind gefallen, die Sitze in der Pfalz besetzt und die ersten Kommentare formuliert. Die Palette der Gefühle reicht im Wahlkreis Rorschach von «hocherfreut» über zufrieden bis enttäuscht. «Das Resultat ist wirklich schön. Ich bin hocherfreut», sagt Michael Haas, Präsident der FDP der Region Rorschach. Er freut sich nicht nur über den dritten Sitz, den die Freisinnigen am Wochenende erobern konnten, sondern auch darüber, dass «unser Kandidat für den Regierungsrat, Martin Klöti, das Rennen gemacht hat». Haas, der in Rorschacherberg als Stimmenzähler amtete, lacht: «Ich sass wie auf Kohlen.» Nach Bekanntwerden des Resultates dürfte es ihm warm geworden sein ums Herz. Das gute Abschneiden der Freisinnigen führt Haas auf die Geschlossenheit und den Effort zurück, den die Kandidierenden während des Wahlkampfes gezeigt hätten. Mit einem Blick auf die am 29. April stattfindenden Kreisgerichtswahlen und die im Herbst anstehenden kommunalen Wahlen sagt er: «Wir hoffen, dass es mit dem gleichen Elan weitergeht.»

Es geht weiter
Nicht ganz zufrieden mit dem Resultat der CVP ist verständlicherweise deren Präsident Felix Bischofberger. Obwohl er, der bisherige CVP-Kantonsrat, selbst das beste Resultat im Wahlkreis Rorschach erzielt hat. Persönlich freue ihn das natürlich. Aber eben: Dass die CVP den dritten Sitz in der Pfalz nicht halten konnte und ihn an die Freisinnigen abgeben muss, das enttäusche ihn etwas. Bischofberger gibt sich als Parteipräsident aber nicht geschlagen. «Wir haben eine gute Liste gehabt mit jungen Kandidierenden.» Dies wertet er für die Zukunft als verheissungsvoll. Darum werde die CVP weitermachen und danach streben, in vier Jahren wieder «Korrekturen» an der Sitzverteilung im Grossen Rat anzubringen. Vorerst aber werde sich die CVP auf die Kreisgerichtswahlen im April konzentrieren und dann in den einzelnen Gemeinden auch auf die kommunalen Erneuerungswahlen. «Wir werden uns immer wieder bemerkbar machen.»

Komplimente
Daniel Rüegg, Präsident der SVP des Kreises Rorschach, gratuliert, bevor er das Resultat seiner Partei kommentiert, der FDP zum zusätzlich gewonnenen Sitz. «Sie hat einen guten Wahlkampf gemacht», anerkennt er neidlos. Zum Resultat seiner eigenen Partei sagt er: «Wir haben unser Ziel erreicht.» Das heisst: Drei Sitze in der Pfalz und nach wie vor die stärkste Partei im Wahlkreis. Zwar vertrete keine SVP-Frau mehr die Region Rorschach in St. Gallen. Aber mit Sandro Wasserfallen ziehe ein Vertreter der jungen Generation in den Kantonsrat ein. Und das mache Mut. Mit einem Blick auf die Regierungsratswahlen stellt Daniel Rüegg kurz und bündig fest: «Michael Götte hat es nicht ganz geschafft.» In der nächsten Zeit werde es nun darum gehen, nochmals alle zu mobilisieren, um Götte zu unterstützen. Und dann werde mit der SVP auch in den kommunalen Wahlen zu rechnen sein.

«Konnten nicht mehr erwarten»
Zufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei ist der wiedergewählte SP-Kantonsrat Felix Gemperle. Nachdem die Grünen, die ja ähnliche Interessen wie die SP vertreten, erstmals angetreten seien, könne die SP mit dem erreichten Resultat «sehr zufrieden» sein. Denn: «Realistisch betrachtet, konnten wir nicht mehr erwarten.» Über sein persönliches Resultat, Gemperle erzielte das drittbeste Resultat im Wahlkreis, freue er sich sehr. Und auf die kommunalen Wahlen angesprochen, sagt Gemperle, dass die SP sich an diesen selbstverständlich beteiligen werde.

«Wir werden aktiv bleiben»
Er sei enttäuscht, gibt Benno Bissegger von den Grünen unumwunden zu. Nach ersten Hochrechnungen, kurz nach 13 Uhr, sah es gestern für die Grünen im Wahlkreis Rorschach nicht schlecht aus. Ein Sitz im Grossen Rat schien in Griffnähe. Aber bereits eine Stunde später war der Traum ausgeträumt. «Wir sind in Rorschach », sagt Bissegger und fügt hinzu: «Die kleinen Gemeinden, die wollten Grüne.» Auch wenn die Enttäuschung gross ist, entmutigen lassen sich die Grünen nicht. «Wir werden im Wahlkreis Rorschach weiterhin aktiv bleiben», sagt Bissegger. Ob auch auf kommunaler Ebene, das sei noch offen.

Respekt und Anerkennung
Das schlechteste Resultat hat die jüngste Partei im Wahlkreis Rorschach, die EVP, erzielt. Für Präsident Wieland Bärlocher kein Grund, um aufzugeben. Im Gegenteil. Er habe sich mit dem Resultat versöhnt, ja er betrachte es eigentlich als gutes, denn die EVP habe sich ja erstmals an den Kantonsratswahlen beteiligt. Den Wahlkampf habe er als «schön und interessant erlebt. Es wurde uns mit Respekt und Anerkennung begegnet.» Und wie geht es nun weiter? «Wir werden am Ball und politisch aktiv bleiben», sagt Wieland Bärlocher. Und auf die kommunalen Wahlen im Herbst angesprochen, antwortet er: «Bei diesen Wahlen kann man mit uns rechnen.»

(St. Galler Tagblatt, 12. März 2012) >zurück