Das Amtsjahr als Kantonsratspräsident ist vorüber

Am Montag, 3. Juni 2013, endet Felix Bischofbergers Jahr als höchster St. Galler. Im Rückblick spricht der CVP-Kantonsratspräsident aus Altenrhein mit der St. Galler Tagblatt über sein peinlichstes Erlebnis, seine Zukunftspläne und warum er wieder mehr Sport treiben will.

Herr Bischofberger, als Kantonsratspräsident nahmen Sie an 278 Anlässen teil. Wie viel Zeit blieb Ihnen für anderes?
Felix Bischofberger: Wenig. Das Amt des Kantonsratspräsidenten hat mich völlig eingenommen. Ich musste alle anderen Engagements zurückstellen. Auch auf der Post habe ich meine Arbeitszeit reduziert.

Gab es eine Zeit, da Sie Ihr Präsidentendasein satt hatten?
Bischofberger: (lacht) Genug bekam ich vor allem von den vielen Apéros. Ich kann mich nicht erinnern, im vergangenen Jahr je hungrig gewesen zu sein. Und für Sport fehlte mir schlicht die Zeit. Das schlägt auf das Gewicht. Aber ab Montag kann ich mich ja wieder körperlich betätigen.

Apéros ohne Ende - klingt nach einem vergnüglichen Jahr.
Bischofberger: Am Anfang ist alles neu, man findet alles interessant, ist voller Tatendrang. Dieses Gefühl hat in der zweiten Amtshälfte etwas nachgelassen. Die Treffen und Apéros werden Routine. Ich lebte nur für die Termine, besonders in der Weihnachts- und Neujahrszeit.

Haben Sie den Aufwand unterschätzt?
Bischofberger: Da ich bewusst auf das Amt des Kantonsratspräsidenten hingearbeitet hatte, hatte ich eine Vorstellung davon, was mich erwartet. Dermassen anstrengend hatte ich es mir aber nicht vorgestellt. Vom einen auf den anderen Tag musst du zweihundert Prozent geben.

Wenn Sie Ihr Amtsjahr Revue passieren lassen, was waren die Tiefpunkte?
Bischofberger: Ich glaube, jeder Kantonsratspräsident stösst irgendwann an seine persönliche Belastungsgrenze. Es gab Zeiten, da habe ich mich gefragt: Ich musste lernen, meine Kräfte einzuteilen und auch mal Nein zu sagen.

Gab es Tage, die Sie im Nachhinein gerne vergessen würden?
Bischofberger: Trotz des Stresses habe ich mein Amt sehr genossen. Rückblickend würde ich auf nichts verzichten wollen. Es gab aber schon das eine oder andere peinliche Ereignis.

Und ein solches wäre?
Bischofberger: Für meinen Besuch beim Berner Präsidium des Grossen Rates liess ich mir meine Rede von jemandem schreiben. Aus Zeitgründen konnte ich den Text erst kurz vor dem Treffen überfliegen. Als ich dann vor dem versammelten Präsidium mit der Rede begann, merkte ich, dass ich keine Ahnung hatte, worüber ich eigentlich redete (lacht).

Wie haben Sie sich aus dieser Situation gerettet?
Bischofberger: Ich habe mich kurzerhand dazu entschlossen, den Text wegzulegen und frei zu sprechen.

Und seit jenem Tag haben jede Rede selbst geschrieben?
Bischofberger: Nein, dazu fehlt einfach die Zeit. Je nach Thema lasse ich sie von einem Mitarbeiter aus dem dazugehörigen Departement schreiben. Ich lese die Reden aber seit jenem Tag immer genau durch.

Als Kantonsratspräsident haben Sie viel erlebt. Welcher Anlass war Ihr persönlicher Höhepunkt?
Bischofberger: Davon gibt es mehr als einen. Angefangen hat es schon in der ersten Amtswoche mit dem herzlichen Empfang in Altenrhein. Das war für meine Frau und mich wie eine zweite Hochzeit. Zu den politischen Höhepunkten gehört die Feier zum 150. Geburtstag des Liechtensteiner Landtages im vergangenen September. Es ist schon speziell, mit Prinz Alois von Liechtenstein an einem Tisch zu sitzen und sich auszutauschen. Dann waren da noch die Europäische Bischofskonferenz in St. Gallen und das Treffen mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Und das Highlight der zweiten Amtshälfte war das Sechseläuten in Zürich mit St. Gallen als Gastkanton.

Am Montag übergeben Sie an den jetzigen Vizepräsident Donau Ledergerber. Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit am meisten?
Bischofberger: Wieder mehr Zeit mit meiner Frau und auf der Post in Altenrhein zu verbringen. Ab Montag führe wieder ich meinen Terminkalender – und nicht umgekehrt. Ausserdem freut es mich, als Kantonsrat wieder politisch aktiv zu werden.

Was steht auf der Agenda von Kantonsrat Bischofberger zu oberst?
Bischofberger: Das Thema Wassernutzungsgebühr. Die Hafenbesitzer in der Region zahlen dem Kanton jährlich 225 000 Franken. Das ist sehr viel, zumal andere Kantone keine solche Gebühr erheben. Da der Kanton St. Gallen aber sparen muss, räume ich mir kurzfristig kaum Chancen ein.

Haben Sie noch Ziele?
Bischofberger: Ich habe vieles erreicht. Die nächste Stufe wäre der Nationalrat. Aber Politik ist nicht planbar. Daher nehme ich es sportlich.

(St. Galler Tagblatt, 30. Mai 2013)